| frapp.antville.org | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| frappieren swV. 'in Erstaunen versetzen, befremden', sondersprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus frz. frapper (wörtlich: 'schlagen'), aus frk. *hrapon 'raufen, raffen', zu ahd. *raffon (dass.). Die Bedeutungsentwicklung hin zu 'entfremden' wohl auf Basis des Überraschungseffektes eines plötzlichen Schlages (vgl. ne. striking). | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Mittwoch, 30. Oktober 2002
Kulturgraben, zugeschüttet Gestern hochinfektiös hüstelnd die Frankfurter Messe besucht. Beruflich gewissermaßen, da der Arbeitgeber die Freikarte vermittelt hatte. Faktisch aus häuslicher Langeweile und Schnorrerantrieb, Mittagessen sponsored by Business Week. Kalbsfilet mit Bohnen und Kartoffelgratin, zum Nachtisch rote Grütze mit Vanillesoße. War letztes Jahr auch schon Selbstbedienung? Vollversammlung der Börsenverlierer, die den konjunkturellen Erholungshorizont in immer weitere Ferne schieben. An den Ständen, Bistrotischen und abseitigen Aschenbechern werden Visitenkarten wie sauer Bier gehandelt. Und die Mimik der Sales Manager spielt heile Welt. Das Untergeschoss von Halle 5 ist nur zu gut dreiviertel gefüllt. Nebenan in Halle 6 findet zeitgleich die Linuxworld statt. CeBit-gestählte Turnschuh- und Ziegenbärtchenträger verirren sich in die geschniegelte Banking & Technology-Welt und schnorren Kugelschreiber und Gummibärchen zusammen. Clash of Cultures? Die größte Tiefe erreicht der Kulturgraben vielleicht noch bei Kleidung und Haarlänge. Mit einem Bekannten treffe ich mich auf einen Sekt. Abrechnung über Spesenrechnung, ohne dass das dessen Laune hebt. Mir gehen langsam die Taschentücher aus. Miese Stimmung. Fühle mich durch Klimaanlage, Erkältung und zuviel Kaffee dehydriert, lechze nach Erkältungstee. [ak, 19:09 · referenzieren · ] Herzlich willkommen, Lia «Verchromung, Brünierung, Vernickelung, Vergoldung, Versolberung, Verbronzung: Diese Feinbearbeitungen bestehen darin, eine Oberfläche, im Allgemeinen durch eine Galvanisierung mit Elektroablagerung, mit einer Metallschicht (z.B. Chrom, Nickel, Silber, usw.) zu versehen.» Ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl. Die Ausführlichkeit der Bedienungsanleitung zu Lia von Zanotta erklärt die mehrmonatige Lieferzeit. Aber bequem! Da liest es sich Mittwoch nachmittags gleich viel besser. [ak, 16:13 · referenzieren · ] Dienstag, 29. Oktober 2002
Soviel kann man ja garnicht in Kochbüchern lesen, dass Husten- und Bronchialtee einen Anflug von Appetitlichkeit bekommt. [ak, 19:33 · referenzieren · ] Montag, 28. Oktober 2002
Zu langsam (oder: mich liest ja keiner) Dass Telepolis jetzt erst auf den schon zügig (wie sonst?) rollenden Zug aufschwingt? Die frappierende Ähnlichkeit der Plakate zu Lord Of The Rings — The Two Towers zu den Bildern vom Ground Zero wurde hier schon vor einem viertel Jahr observiert. [ak, 22:28 · referenzieren · ] Schlaflosigkeit auf schwedisch Ohne mich hier zum Fernsehratgeber aufschwingen zu wollen: Heute läuft im ZDF die schwedische Vorlage von Erik Skjoldbjærg zu dem kürzlich hier diskutierten Film Insomnia, natürlich unter eingedeutschtem Titel Todesschlaf. [ak, 19:41 · referenzieren · ] Sonntag, 27. Oktober 2002
Kochen gegen Krankheit Eine kleine Portion Linsen, al dente gekocht, eine Schalotte, fein gehackt in Butterschmalz glasig gedünstet, dazu etwas kleingewürfelter Räucherspeck. Kurz mit den gut abgespülten und abgetropften Linsen in der Pfanne vermengt, dazu feingeschnittene eingelegte getrocknete Tomaten und abgeschmeckt mit einem Schuß Aceto Balsamico. Selbstbelohnungstherapie bei Erkältung drinnen und Sturmböen draußen. [ak, 16:25 · referenzieren · ] Samstag, 26. Oktober 2002
Siechtum am Wochenende Gestern am Nachmittag um drei Uhr fängt es an. Plötzlich. Überraschend. Unangenehm überraschend. Ich warte noch auf letzte Abstimmungen über eine Präsentation: «Diese Linie vielleicht doch besser gestrichelt? Geht das?» «Klar, kein Problem» meine lustlose Antwort. Meine Stimme klingt tonlos, mit dezent krächzendem Unterton. «Wofür ich bezahlt werde!» schießt mir gereizt durch den Kopf. Körperliche Reizungen kommen irgendwo aus den Tiefen der Rachengegend. Bei der Überarbeitung und den letzten Korrekturen an der Präsentation spüre ich die Druckerhöhung im Bereich der Nasenwurzel, dazu reduziert leichter Ohrendruck das Hörempfinden zu einer allgemeinen Dumpfheit. Widerspiegelung der Stumpfheit meiner Arbeit? Noch müssen Ausdrucke vorbereitet werden, diverse Mails stehen noch aus. Telefonat mit Kollegen zur Vorbereitung der nächsten Woche. Der Blick in den Spiegel über den Handwaschbecken offenbart leicht glasige Augen und gerötete Bindehaut. Nies- und Hustenattacken suchen mich in immer kürzeren Abständen heim, aber immer unvorhersehbar. Panisch beginne ich auf den benachbarten, wochenendlich aufgeräumten Schreibtischen nach Ersatz für mein durchweichtes Taschentuch. Mist! Der Ausbruch einer veritablen Erkältung gerade jetzt zum Wochenende versetzt mich in den Zustand einer veritablen Verärgerung. Gleichzeitig merke ich, wie das Gefühl von Schlaffheit und Unlust immer größer wird. Es ist fünf Uhr. Noch halte ich an meinen Rauchpausen fest, auch wenn es höchste Körperbeherrschung erfordert, sich nach ersten Zügen nicht unter eruptiven Hustenanfällen zu krümmen. Ich weiß, meine Abendplanung ist obsolet geworden. Gleichzeitig widert mich die unausweichliche Aussicht auf einen Abend auf dem Sofa an. Mit den noch anwesenden Kollegen leere ich eine im Kühlschrank vergessene Flasche Sekt. Der Alkohol besänftigt meine Husten- und Niesreize etwas. Ich merke, wie die Atmung durch die Nase rasselnder, erschwerter wird. Auf der Heimfahrt in der S-Bahn fallen alle Mitreisenden unter dem Generalverdacht des möglichen Ansteckungsherdes. Was natürlich eine Umkehrung der Sachlage ist, aber krank werdend erlaube ich mir jede Ungerechtigkeit. Auf dem Weg von der S-Bahn-Station zur Wohnung beginnt es noch zu regnen. Zuhause ist mir kalt, die Welt scheiß egal und ich fühle mich unendlich siech. Dreißig verfügbare Fernsehkanäle sind eine einzige Quelle der Demotivation. Ich ergötze mich an meinem Elend. Noch nicht abgelegte Post der Woche wandert vom Küchentresen auf den Schreibtisch. Für ein Abheften reicht mein Elan schon nicht mehr aus. Auf dem Sofa kauernd spiele ich mit den Fernbedienungen von Musikanalage und Fernseher. Star Trek ohne Ton, untermalt mit krudem Jazz von einem Knitting Factory-Sampler und der Liveübertragung des Jazzfestivals. Der Tisch füllt sich mit zerknüllten, mit grüngelbem Sekret angereichterten Papiertaschentüchern. Ich wünsch mir selbst eine gute Nacht. Man wird ja noch wünschen dürfen! [ak, 10:16 · referenzieren · ] Freitag, 25. Oktober 2002
Smoking? No Smoking! Ich erschüttere mich selbst! Gerade ernsthaft über das Angebot nachgedacht, diese Veranstaltung in der Alten Oper zu besuchen. Leider ist mein Smoking gerade zum Aufbügeln. Dann eben doch auf diese Alternative. [ak, 13:26 · referenzieren · ] Droht Kanonisierung Arno Schmidts? Was ist den auf mal mit der Zeit los? In der aktuellen Ausgabe eine wohlwollende Rezension von Arno Schmidts "Umsiedler" und in der vorletzten Ausgabe enthält ein 50teiliger Schülerkanon dessen Roman "Brand's Haide". [ak, 10:45 · referenzieren · ] Voluminöser Lesestoff Offline Lesestoff für's Wochenende? [via nothing but the truth] [ak, 08:39 · referenzieren · ] Dienstag, 22. Oktober 2002
Zersägter Brasilpop Ich hocke auf dem Boden aus Industriemetallplatten im großen Saal des Mousonturms und warte auf den Beginn des Konzerts von Arto Lindsay und Band. Der Plattenladen sortierte das aktuelle Album "Invoke" von Jazz / Avantgarde um in die Sektion Weltmusik, Unterabteilung Brasilien. Mal hören, wohin die Reise führt. Auf der Bühne leuchtet ein TFT-Bildschirm, ansonsten Verstärkerboxen, Fußpedale und im Hintergrund ein Podest mit drei Keyboards. Pünktlich erscheint die Band mit Arto Lindsay auf der Bühne. Arto Lindsay sieht aus wie eine Schrumpfversion von Jürgen Trittin: Hohe Stirn über eingefallenem Gesicht, eine etwas zu große Brille wird durch eine profilierte Nase und etwas abstehende Ohren gehalten. Die hagere Figur steckt in metallisch-blauer Jeans, die im Konzert mehrmals wieder hochgezogen werden muss, weißem Hemd und schwarzem Jackett, dazu dann mintblau-weiße Gitarre mit pinkem Gurt. Mit den ersten Liedern wandelt sich diese Hutzelmännchen auf der Bühne dann aber in ein veritables Rumpelstielzchen. Taschenmesserartiges Zusammenklappen Arto Lindsays führt die Hand kreischend über die Saiten. Brasilianisch inspirierte Lieder, teils in englisch, teils in portugiesisch vorgetragen, werden mit diebischem Vergnügen mit der E-Gitarre zersägt, während Keyboards und Bass Rhythmus und Grundmelodie stoisch weitertreiben. In der Halle wechseln die Leute zwischen entspannten Wippen und angespanntem Ohrenzuhalten. Nach drei Zugaben werden wir entlassen und nehmen eine gute akustische Vorstellung einer südamerikanischen Taxifahrt mit dudelndem Popsender und abrupten Brems- und Beschleunigungsmanövern inklusive kreischender Reifen mit. [ak, 12:13 · referenzieren · ] Montag, 21. Oktober 2002
Man mag sich ja schon garnicht mehr aufregen Aktuelles Kursangebot aus der Volkshochschule Bundesrepublik: Lustige Buchführung — oder Zahlungsverkehr für Kreative mit J. W. nur echt mit den Punkten Möllemann. Gabi Zimmer öffnet Marx & Engels-Lesegruppen auf Basis der Sarah Wagenknecht-Atemtechnik, Angela Merkel referiert über "Wie schminke ich mich für die Stadt" und der Kanzler offeriert Superseniorenplätze am Kabinettstisch, Kaffee und Kuchen inklusive. Und bei den Grünen gibt's das aktuelle Strickmuster "Amt & Mandat." [ak, 17:36 · referenzieren · ] Ungepflegte Fingernägel und ausgekochte Teebeutel Sehenswert, Christopher Nolans neuer Film — nach dessen Rätselstück Memento — Insomnia. Diesmal mit einem Budget, das den Einsatz von Al Pacino (der Salon schreibt «Al Pacino, who looks even more like a thrice-boiled tea bag») und Robin Williams, mal gegen den Strich als Böser, erlaubte. Fesselnder Thriller, der untergründig die Frage nach Gut und Böse durchdekliniert. Will Dormer als Name des von Pacino gespielten, von Schlaflosigkeit geplagten Detectives im sommerhellen Alaska erschien mir arg deutlich, beeindruckend aber die Details seines zerknitterten Gesichts und die verschmutzten und vergilbten Fingernägel. [ak, 17:20 · referenzieren · ] Neffe Nasenschlitzer Das hat man davon, wenn man unvorsichtig seinen fünfzehnmonatigen Neffen mit Wo ist Deine Nase?-Spielchen animiert, er begeistert nacheifert und ich mir aufgrund seiner scharfen Fingernägel jetzt verkomme wie Jack Nichelson nach der Nasenschlitzerei in Roman Polanskis Chinatown. [ak, 12:41 · referenzieren · ] Nächste Seite |
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