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frappieren swV. 'in Erstaunen versetzen, befremden', sondersprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus frz. frapper (wörtlich: 'schlagen'), aus frk. *hrapon 'raufen, raffen', zu ahd. *raffon (dass.). Die Bedeutungsentwicklung hin zu 'entfremden' wohl auf Basis des Überraschungseffektes eines plötzlichen Schlages (vgl. ne. striking). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Sonntag, 8. Juni 2003
Moers: Reprise Wie riecht ein Jazz-Festival? Im Zelt? Sommerliche Temperaturen kombinierten Stickigkeit mit dem (unerklärlichen) Geruch von Pferdemist. Während des Dagegen-Antrommelns Bill Brufords, im Duo mit einem beherzt in die Tasten und Saiten des Pianos greifenden Michiel Borstlap, wurde das Zeltdach endlich etwas geöffnet. Der Sonnenstrahl, lichsäulengleich durch Dunst schneidend, verscheucht ein tanzendes Paar zurück in den erträglicheren Schatten. Pause im schattig-schönen Schlosspark. Enten schwimmen auf dem Schlossgraben hin und her. Aus der Ferne klingt improvisiertes Klarinetten- und Akkordeonspiel herüber. Grübelfalten ebnen sich ein. Die Chan Band tritt mit japanischen Buto-Tänzern auf. Fremd, kryptisch, und dabei klingt die Musik sehr nah, vertraut, Kurt Weill-artig. Ayako Sasaki, Bandenchefin und Sängerin intoniert in der Mitte des Auftritts ihre Deutschkenntnisse: »Ein Bier, zwei Bier, drei Bier.« Akzeptables Tagesmotto, und das Publikum singt begeistert mit. Spektakulärer Abschluss der Tanz von Kenichiro Hoshino auf dem Holzpodest inmitten des Innenraums. Eindruckvollster Auftritt des Tages. Den Schlusspunkt setzen die Spanier von Ojos de Brujo. Flamenco, Rumba, vermengt mit Reggae, Funk, Hiphop. Mich beschleicht das Gefühl, dieses oder ähnliches bereits oftmals gehört zu haben. Die ersten Lieder werden mit einem Polit-Statement aus der globalen Attac-Schule eingeleitet. Die Sängerin findet mit ihrer bandagierten Filzlockenturmfrisur zahlreiche Ebenbilder im jungen Publikum. Ein Spanier neben mir brüllt immer wieder "Gazpacho" und wird auch nach dem Joint nicht ruhiger. Die Videoleinwand überr der Bühne zeigt Skater, Graffitis, Politaktionen. Anti-Globalisierung-Eintopf. Geschmackvoll, aber eintönig. Ich hatte mehr erwartet. Draußen rasseln die Jalousien der Bierbuden. Becher werden gestapelt. Keine Zugabe mehr. Verstreute Personengruppen, trinkend, sich unterhaltend, verteilen sich auf der Rasenfläche neben dem Zelt. Ich fühle mich durch einen blauen Wickelrock verfolgt. Angenehm. [ak, 17:35 · ] |
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Letzte Meldung: 26.06.12, 16:22
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