frapp.antville.org
frappieren swV. 'in Erstaunen versetzen, befremden', sondersprachl. Im 18. Jh. entlehnt aus frz. frapper (wörtlich: 'schlagen'), aus frk. *hrapon 'raufen, raffen', zu ahd. *raffon (dass.). Die Bedeutungsentwicklung hin zu 'entfremden' wohl auf Basis des Überraschungseffektes eines plötzlichen Schlages (vgl. ne. striking).

Freitag, 9. Mai 2003


Summer in the City

Langsam sinken die sommerlichen Abendtemperaturen. Zunehmende Dunkelheit verschmilzt das frische Grün der Kastanien mit dunkelblauer Dämmerung. Dichte weißblühende Dolden spielen Milchstraße über der Allee. Vor mir auf dem Teakholztisch flackert ein rotwandiges Friedhofslicht in pergamentener Frühstückstüte. Daneben Buchsbaum in Tontöpfen. In meinem Cappuccino sinkt die samtige Milchdecke unter der Zuckerlast zusammen. Überbrückungsgetränk beim Warten. Ich setze mir (nicht eher ihr?) ein Frist von dreißig Minuten. Meine Wette mit mir, dass sie sich verspätet, habe ich gewonnen. Auf meinem Gesicht vermute ich ein schmunzeln. Dennoch ertappe ich mich dabei, wie ich mein Mobiltelefon auf verpasste Anrufe oder Nachrichten prüfe. Hinter mir studieren Franzosen die Karte und bestellen bei dem Kellner Gauloises Rouge. Am Nebentisch unterhalten sich zwei Männer in Hemd und Krawatte über Wohnqualitäten in Hamburg und Darmstadt, um dann die enorme Trinkfestigkeit irischer Geschäftspartner zu bewundern. Auf der anderen Seite des hölzernen, aufgebockten Außensitzes des Lokals schwärmen zwei über die Wohnung einer gemeinsamen Bekannten in Paris, 19. Arrondissement. In mir grübelt es, ob sie vielleicht im Innenraum auf mich wartet. Meinen Kontrollgang kaschiere ich mit einem Toilettenbesuch. Sie ist noch nicht da.

Mit einem Anruf nach Ablauf der halben Stunde dirigiere ich sie auf den letzten Metern durch Frankfurt. Ein vorsichtig tastendes Gespräch entspinnt sich und verknäult die Themen in frei assoziierender Abfolge. Thailand und New York, Marc Ribot und Maria João, Jazz Festival Moers und Mousonturm, Frankfurt und Marburg, Stadturlaub und Bergwandern. Immer wieder kleinere Vorstöße in privatere Gefilde, und immer wieder galantes Zurückweichen auf Generelles, Allgemeines. Radeberger macht das Gespräch geschmeidiger, der Themenlauf schlägt nicht mehr so enge Haken, Pausen im Gespräch werden nicht sofort mit neuen Erzählungen gefüllt. Wir bestellen noch ein Bier. Die laue Luft wird frisch. Beiläufig versuche ich den Winkel zu bestimmen, den ihre Augenbrauen beschreiben. Die gedankliche Gesichtsvermessung macht mir mein Gegenüber vertrauter, bekannter. Die Terrasse leert sich und nach Mitternacht sind wir die letzten Gäste. Der schmächtige Kellner mit den rötlichen Haaren schaut noch mal vorbei. Wir fragen, ob wir den Außensitz verlassen müssen. Wir müssen nicht, bleiben noch einige Minuten, schweigend, staunend ob der Ruhe, die wir uns gegenseitig mit gedämpften Stimmen bestätigen. So darf der Sommer bleiben.

[ak,  11:03 · ]

Dabei seit 8462 Tagen. Letzte Meldung: 26.06.12, 16:22
Status
 · Anmelden
Menü
 · Hier & Heute
 · Rubriken
 · Galerien


Suche
 
Kalender
April 2025
So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.
12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930
Mai
Historie
[?]
[ak · 15.05.09, 17:59]
[!]
[ak · 27.04.09, 17:33]
[?]
[ak · 17.04.09, 10:19]
Sonstiges
RSS Feed
Creative Commons Lizenz

Made with Antville